Magdolna Keel, Künstlerin aus Killwangen bei Zürich,
ist heute die Interviewpartnerin von Dr. Barbara Aust-Wegemund.

(Die Kunsthistorikerin und Inhaberin der Agentur Art History Consulting (AHC) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit zeitgenössischer Kunst, u.a. als Publizistin für das Goethe Institut.)

AHC:
Sehr geehrte Frau Keel, Ihren Stil bezeichnen Sie selbst als Poetischen Realismus.
Was genau meinen Sie damit? Und was bedeutet Poesie für die Kunst?


Magdolna Keel:
Die Fachwelt der Kunstgeschichte katalogisiert und beschreibt die Werke der Malerei nach geschichtlichen Epochen und Darstellungsweisen. Durch die Zuordnung der Werke eines Malers zu einer bestimmten Kunstrichtung können wir die Werke besser verstehen, und die Arbeiten der verschiedenen Künstler vergleichen.
Kunsthistorisch gibt es mehrere Realismus-Arten in der Malerei (z.B. phantastischer-, magischer-, sozialistischer-, oder Fotorealismus, usw.), deren Gemeinsamkeit ist, die Darstellung der Wirklichkeit, also die Abbildung der gegenständlichen Welt. In diesem Sinne gehört mein Malstil zum Realismus.
Poetischer Realismus bedeutet für mich: die hellen Seiten, die Schönheit der natürlichen Umgebung, die einzigartige Schlichtheit eines alltäglichen Gegenstandes „einzufangen“ und künstlerisch wiederzugeben.
Sie fragen mich, „Was bedeutet Poesie für die Kunst?“ Poesie heisst im ursprünglichen Sinne: Hervorbringung, Dichtung, also etwas Neues aus der Seele, oder aus dem Geist des Menschen hervorbricht. Ich glaube, Poesie für die Kunst bedeutet demnach eine Art schöpferische Kraft von innen her gesteuert.
AHC:
Sie sind eine studierte Architektin, haben aber nie als solche gearbeitet, oder? Wie haben Sie zur Kunst gefunden? Warum sind Sie Künstlerin geworden?

Magdolna Keel:
Vor meinem Studium arbeitete ich in Zürich drei Jahre lang als Zeichnerin für Stadt- und Verkehrsplanung. Nach dem Architektur-Diplom an der ETH, war ich dort für einige Jahre Assistentin für „Geschichte des Städtebaus“, und danach auch für „Architektur- und Gestaltungstheorie“.
Nun, Sie fragen mich, wie habe ich zur Kunst gefunden? Warum bin ich Künstlerin geworden?
Wenn man die Fähigkeiten für Zeichnen und für den Umgang mit Farben in sich entdeckt, müsste ich umgekehrt sagen: die Kunst hat mich gefunden. Künstlerin zu werden ist aber ein langer Weg, und dieser Weg geht nicht immer geradeaus. Gerne hätte ich Malerei studiert, aber Architektur ist ebenfalls eine Art Kunst, und sie ist als Beruf eine bessere Lebensgrundlage. So wählte ich zunächst diesen Weg.
AHC:
Und wann war es für Sie klar, dass Sie Künstlerin werden?


Magdolna Keel:
Das ist eine schöne Frage. Zufällig an meinem siebzehnten Geburtstag. Es war kurz nach der Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn in meiner Heimat 1956 durch die kommunistische Sowjetunion. Die Grenzen des Landes nach dem Westen waren während des Volksaufstandes und bis zum Wiedereinsetzten des kommunistischen Regimes noch für kurze Zeit offen. Viele Menschen, auch viele Jugendliche, wie ich auch, nutzten diese einmalige Gelegenheit, vor der erneuten Unterdrückung aus dem Land zu fliehen.
An jenem Morgen, als ich das Land später, am Abend dieses Tages mit Freunden zusammen, spontan verlassen sollte, sagte ich mit dem Übermut einer Siebzehnjährigen zu meiner ahnungslosen Mutter: „Ich gehe auch in den Westen und werde eine grosse Malerin!“. Seit diesem Tag war es mir klar, dass ich dieses Ziel erreichen möchte.
AHC:
Oder gab es irgendwann einen Punkt, an dem Sie gemerkt haben, jetzt verschiebt sich das Ganze, jetzt verändert sich Ihr Interesse zum künstlerischen Konzept?


Magdolna Keel:
Mein Interesse, Künstlerin zu werden, war immer da. Auch nach meiner Heirat und nach der Geburt meiner zwei Kinder. Ich bildete mich autodidaktisch im Zeichen und in allen Techniken der Malkunst und in Kenntnis der Kunstgeschichte aus, und hoffte auf die Möglichkeit, mich - nach einigen Jahren Familienpflicht - immer intensiver der Malerei widmen zu können.
AHC:
Können Sie beschreiben, was gute Kunst für Sie ist?


Magdolna Keel:
Gute Kunst? Gute Kunst vom Standpunkt des Künstlers ist ehrlich und gewissenhaft. Vom Standpunkt des Betrachters: sie bewegt etwas in seiner Seele oder in seinem Geist, oder in Beidem.
AHC:
Sie haben gesagt, „wer gegen den Strom schwimmt, kann nicht erwarten, dass der Fluss seine Richtung ändert.“ Was genau meinen Sie damit, bezogen auf Ihre Kunst?

Magdolna Keel:
Ja, „der Strom“ (also die Fachwelt und die Mehrheit der Künstler), der heute nur Abstraktes oder Konzeptkunst akzeptiert, wird sich dem Einzelnen, der sich der traditionellen abendländischen realistischen Malerei verpflichtet fühlt, also gegenständlich und figurativ malt, nicht anpassen.
Es gibt aber viele solche Einzelnen, nur wissen sie zu wenig oder nichts voneinander. Die Fachleute die Kunstmuseen führen, die meisten Galerien und die Medien bevorzugen und fördern nur jene, die „mit dem Strom schwimmen“. Die „Andersdenkenden“ sind ignoriert und totgeschwiegen.
AHC:
Gibt es ein Kunstwerk in Ihrem Leben, das Sie besonders beeindruckt hat? Oder Maler, die für Sie ein Vorbild sind?

Magdolna Keel:
Die Werke der alten Meister bewundere ich, aber ebenso interessiert mich die klassische Moderne, und ich setzte mich auch mit der Gegenwartskunst auseinander.
Ich „befrage“ die Kunstwerke: „Was kannst du mich lehren? Was kann ich von dir lernen?“
In den verschiedensten Werken finde ich Aspekte, die ich als Vorbild betrachte oder eher ablehne. Die Bildidee, die Komposition, die Farbharmonie, die Technik, die Qualität der Ausführung, eines Werkes sagt viel aus und gibt Antwort auf meine Frage.
Sehr hoch schätze und bewundere ich die Arbeiten der alten Meister, speziell Simone Martini (1284-1344), Jan van Eyck (1390-1441), Rogier van der Weyden (1399-1464), Jan Vermeer (1632-1675), und den Blumenmaler P. J. Redouté (1759-1840), und des Schweizer Malers Albert Anker (1831-1910). Die Aquarelle von Carl Larsson (1853 1919) liebe ich einfach wegen ihrer Natürlichkeit und fröhlicher Ausstrahlung.
AHC:
Planen Sie die Kompositionen genau, entstehen Skizzen/ Vorentwürfe oder entsteht das Bild intuitiv an der Leinwand?

Magdolna Keel:
Meine Kompositionen plane ich meistens sehr genau. Die erste Idee für ein neues Bild entsteht oft Monate oder Jahre, bevor ich mit winzig-kleinen Skizzen beginne, die „erspürte Komposition“ zeichnerisch festzuhalten.
Wenn die Komposition auch in Originalformat skizziert ist, trage ich die Objekte und Gegenstände zusammen, die ich einzeln oder in Gruppen skizzenhaft abzeichne, später exakt ausarbeite und auf die Leinwand übertrage. Erst jetzt beginnt die Farbgebung mit dem Pinsel.
AHC:
Wie kommen Sie zurecht mit den Umgangsformen im Kunstbetrieb?


Magdolna Keel:
Mit dem Kunstbetrieb hatte ich schon immer meine Probleme. Wenn man als angehende Malerin den Weg zur eigenen Kunstausdruck und Stil finden möchte, besucht man Museen, Ausstellungen, Galerien. Man möchte wissen, „Was passiert in der Kunst, wie geht die Kunst weiter, und warum?“ Als junger Mensch sucht man den Anschluss und orientiert sich an den neuesten Werken der berühmtesten Künstler der Gegenwart.
Während meines Suchens, in meiner Jugend merkte ich bald, dass die überlieferte realistische, figurative und gegenständliche Malerei neuerdings verpönt war. Gültigkeit in der Kunst-Fachwelt hatte nur noch die Abstraktion! „Warum ist das so? Was bedeutet das für mich?“ habe ich mich gefragt. „Muss ich jetzt auch abstrakte Bilder malen, obwohl meine Vorstellung von Malerei der abendländischen Kunst-Tradition bevorzugt?“ So entschied ich mich „gegen den Strom zu schwimmen“. Meine Bilder blieben realistisch. Ich musste damit in Kauf nehmen, dass die offiziellen Kunstkenner, die Fachwelt und der Kunstbetrieb meine Arbeiten ignorierten.
AHC:
Finden Sie, dass Künstlerin sein und Familie haben vereinbar ist? Oder ist es schwieriger als in anderen Berufen?

Magdolna Keel:
Meine Familienpflichten haben den Beginn einer intensiven Tätigkeit als Künstlerin eigentlich nur für später verschoben.
AHC:
Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?


Magdolna Keel:
Ich wohne in einer kleinen Gemeinde unweit von Baden und Zürich. Es ist eine ländliche Umgebung. Mein Atelier ist im Parterre mit Fenstern zum Garten und oben wohnen wir. Das ist sehr bequem und praktisch. Auch die kleine Galerie, die ich vor acht Jahren speziell für meine Bilder einrichten konnte, ist zu Fuss in einigen Minuten erreichbar.
Die Ausstellungstätigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil meines Arbeitsalltags.
Mein Konzept, zweimal im Jahr zu einem neuen Thema eine Serie von Bildern zu malen und auszustellen, ist ein Programm, das ich mir auferlege. Dieses Ziel, dieses „Muss“ ist enorm wichtig: ich beginne, mich mit neuen Themen und Ideen zu beschäftigen. Manchmal greife ich Ideen wieder auf, die ich seit Jahren in mir trage. Manchmal finde ich neue Aspekte an irgendeinem alltäglichen Gegenstand: ein Kieselstein, eine vorbeiziehende Wolke, ein Waldweg, eine Glühbirne oder unser Gartentisch.
Von all diesen genannten Sachen entstand je eine Bildserie. Wenn mich eine Idee „packt“ kommt automatisch die Energie, fürs Malen. Dann arbeite ich von früh morgens bis Anbruch der Dunkelheit intensiv, mehrere Tagen und Wochen hintereinander, bis etwa zehn bis fünfzehn Bilder für die nächste Ausstellung bereit stehen.

Mein vielseitiger Arbeitsalltag:
Da ich alles selber mache, kommt nach der Kunst-Arbeitstag der „Handwerks-Arbeitstag“: Bilder einrahmen, Aufhänger montieren, also statt Pinsel und Farbe mit Schrauben, Hammer, Draht und Schere umgehen. Nur beim Digital-Fotografieren und bearbeiten hole ich meinen Sohn zur Hilfe.
Für die Einladungskarten zur Vernissage muss noch der Text geschrieben werden, drucken lassen, Kuverts adressieren, frankieren, einpacken, zur Post bringen, Korrespondenz das ist mein „Büro-Arbeitstag“. Für die Werbung und für den Verkauf in der Galerie: Kunstkarten drucken lassen und hübsch einpacken, diese Arbeit erledige ich jeweils am Abend.
Zuletzt der „Galeristen-Arbeitstag“: Bilder einpacken, transportieren, auspacken, die Ausstellung einrichten, alte Bilder abhängen, neue Bilder aufhängen, anschreiben, Galerie reinigen, Vernissage-Büffet einkaufen, usw. Während der Öffnungszeiten die Galerie hüten, Veranstaltungen in der Galerie, wie Lesung, Apéro, Führungen usw. organisieren und durchführen. Da ich, zu meinen Bilderausstellungen meistens noch zwei Gast-Künstler einlade, die nicht Bilder, sondern Skulptur, Keramik-, Glas-, Holz- oder Metall-objekte schaffen, organisiere ich diese auch durch Korrespondenz und Besprechungen. Und nicht zu vergessen: der Zweipersonen-Haushalt-Arbeitstag.
AHC:
Welche Zwänge, Trends und Klischees fallen Ihnen spontan ein, die die momentane Kunstwelt beherrschen?

Magdolna Keel:
Meine stichwortartige Antwort: Beliebig / Schreiend / Hässlich / Politisch-Belehrend Orientierungslos / Dekadent / Geldgierig / Sinnlos / Diskriminierend…
AHC:
Was inspiriert Sie?

Magdolna Keel:
Inspiration ist die sprudelnde Quelle für die künstlerische Arbeit, aber man kann sie nicht erzwingen. Wichtig ist, dass man offen und empfänglich bleibt für neue Impulse. Begegne ich einem passenden Wort oder einem schönen Satz, einer speziellen Farbkombination, einer interessanten Form einer Pflanze oder eines Objekts, einer besonderen Raumkonstellation von Gegenständen, das alles kann bei mir Inspiration auslösen.
AHC:
Ihre Vorlieben für Sprachspiele sind bekannt. Aber was genau möchten Sie mit dem Titel „Auf weiche Wolken gebettet verlieren die härtesten Gesellen ihre Standhaftigkeit“ ausdrücken?


Magdolna Keel:
Dieses Bild zeigt Holz-Figuren, die sich orientierungslos und haltlos in der Luft zwischen den Wolken bewegen. Sie schweben, sie fallen, sie taumeln. Auf Wolken können sie nicht stehen, sich nirgends festhalten. Die weichen Wolken sind ungeeignet um standhaft zu bleiben. Die Darstellung zeigt symbolisch, dass durch „bequemes Leben im Wohlstand = auf Weiche Wolken gebettet“, die Menschen, und sogar standhafte Charaktere in Schwanken geraten können und ihr „Gleichgewicht“ verlieren.
AHC:
Wie ist das Bild „Abschied von den Glühbirnen“ entstanden?


Magdolna Keel:
Es geht hier um den (transparentem) Raum. Mich faszinieren Objekte aus Glas, weil sie durchsichtig sind. Aus diesem Grund können wir bei einer Flasche oder Vase gleichzeitig das Innere und das Rundherum sehen. Das ist grossartig! Nun die Glühbirne ist für diesen Zweck besonders geeignet.
Die Konstruktion der Glühfaden erlaubt, den vom Glas umschlossenen Innenraum speziell hervorzuheben und sichtbar, spürbar zu machen. Auch der komplizierte Zwischenraum zwischen den vielen Glühbirnen ergibt eine spannende Raumsituation. Alles in allem ist das ein komplexes Raumerlebnis, und das wollte ich zeigen mit diesem Bild.
Als vor einigen Jahren, wegen Umweltschutz die Fabrikation und Benützung der Glühbirne verboten wurde, veranlasste das mich zum „Abschied von der Glühbirne“ eine Serie Bilder mit diesem Titel zu malen.
AHC:
Beim Thema Steine sieht man in Ihren Bildern Kieselsteine an verschiedenen Orten. Was fasziniert Sie an den Steinen im Besonderen oder an der Natur im Allgemeinen?


Magdolna Keel:
Kieselsteine sind wunderbar! Sie sind wie Individuen, kein einziger gleicht dem anderen. Sie sind gross, oder klein, oder winzig. Sie sind auf eine harmonische Art bunt: weiss, grau, beigefarben, braun, hellgrün, ockerfarben, eine ganze Palette feiner, stiller Farbmischungen. Kieselsteine sind mit wunderbaren, faszinierenden Linien-Zeichen „beschriftet“. Sie sind uralt und erzählen und tragen die Erdgeschichte in sich, die Geschichte ihrer Entstehung. Sie sind hart, aber angenehm zu berühren. Sie passen gut in eine Menschenhand. Ihre ursprünglich harte kantige Form ist geschliffen durch die Kräfte der Natur. Sie wanderten durch strömendes Wasser in einem Bach oder Fluss, sie schaukelten mit den Gezeiten des Meeres. Ist das nicht faszinierend?
AHC:
Welche Bedeutung hat die Kultur für Sie? Literatur, Philosophie, Griechische Antike, Musik? In der Werkreihe „Kultur“ sind eine ganze Reihe Bilder zu diesem Thema entstanden.


Magdolna Keel:
Kultur ist mein Lebenselixier. Im Architektur-Studium hatten wir Vorlesungen in Städtebau- und Kunstgeschichte. Dort lernten wir, von der Antike bis zum Moderne, alle Epochen der Kunst, der Architektur und Städtebau kennen. So ein Überblick macht auf noch mehr Kultur neugierig. Sobald es für mich zeitlich möglich wurde, studierte ich an der Universität in Zürich während fünf Semestern die Fächer Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik.
Ich bewundere die kulturellen und künstlerischen Leistungen früherer Zeiten. Grosse Künstler und Dichter betrachte ich als meine Lehrmeister. Ich besitze eine reichhaltige Bibliothek und lese auch sehr viel. Wenn ich im Atelier an einem Bild arbeite, begleitet mich klassische Musik von CD, oder auch Hörbücher der Weltliteratur.
AHC:
Sie leben in Killwangen in der Nähe von Zürich. Können Sie etwas zur Kunstszene in Killwangen oder in Zürich sagen. Wie reagieren die Besucher auf Ihre Bilder?


Magdolna Keel:
Killwangen ist eine kleine Gemeinde, ohne spektakuläre Kunstszene. Ich besuche oft kleine Galerien im Umkreis unseres Wohnortes. Man kann hier auch sehr gute Kunst entdecken. Es sind nicht immer die grossen Zentren, die das Beste bieten.
Zürich besitzt zahlreiche Galerien, Sammlungen und das Kunsthaus. Es werden hier auch verschiedene Kunstmessen organisiert. Ich selber stellte auch mehrmals aus auf der Art International in Zürich. Da hat es natürlich eine interessante, pulsierende Kunstszene mit vielen Galerien aus In- und Ausland.
Wie die Besucher auf meine Bilder Reagieren? Es gibt zahlreiche Besucher, die Anerkennung, Freude und Gefallen an meinen Bildern finden und meine Ausstellungen regelmässig aufsuchen.
AHC:
Stehen Sie im Austausch mit anderen lokalen Künstlern?


Magdolna Keel:
Ich war jahrelang Mitglied der GSBK (Gesellschaft Schweiz. Bildender Künstlerinnen) und 1982 Gründungsmitglied der Künstlergruppe Uster an unserem früheren Wohnort. Mit den Künstlern diese Gruppe habe ich heute noch Kontakt. Auch hier in Killwangen und Umgebung kenne ich einige Künstler und ihre Werke. Von einem Austausch kann ich nicht berichten.
AHC:
Manche Künstler denken, wozu braucht man eine Akademie, oder Wissen über Komposition und Zeichenübungen mit Modellen. Doch um mit dem Bild eine Idee zu vermitteln, muss man die visuelle Sprache beherrschen und die beruht auf einem Handwerk, auf Wissen über grafisches Gestalten, auf Kenntnissen der räumlichen Verhältnisse und auf der Farbenlehre. Man braucht nicht immer akademisches Wissen, manchmal genügt auch Intuition. Wie haben Sie das Handwerk erlernt und wie sind Sie zu Ihrem typischen Stil, zu Ihrer Handschrift gekommen? Ich denke an die „große Federskizze“, die technisch sehr professionell ausgeführt ist, aber auch harmonisch in der Komposition ist.

Magdolna Keel:
„Intuition“ kann der Zugang zu einer Bildidee sein. Aber ein Maler arbeitet mit dem Auge und mit der Hand. Und natürlich mit dem Werkzeug Pinsel und mit dem Material Farbe. Die Beherrschung und Handhabung dieser Instrumente ist gar nicht möglich ohne Übungen, ohne Farbenlehre, ohne Materialkenntnis. Für sehr wichtig halte ich Zeichenübungen mit Modellen, Objekten, oder draussen in der Landschaft. Nur so lernt man SEHEN! Sehen lernen, das muss man auch üben!

Auch im Selbststudium ist es möglich, sich auszubilden. Es braucht Disziplin, Ausdauer, gute Lehrbücher. Aber ohne Übung geht es nicht. Eine Akademie hat vielleicht den Vorteil, dass man mit anderen Künstlern zusammen ist, mit denen man über Malen und Kunst diskutieren und Erfahrungen austauschen kann.
Ich wählte das Selbststudium. Mein Mal-Stil entstand nach und nach. Den Gegenstand, den ich zeichne und male, will ich zuerst „verstehen“. Wie ist seine Form, sein Volumen, wie ist er konstruiert, wie seine Farbe, wie sein Schatten? Das nenne ich ein „Wissen“ erwerben. Der nächste Schritt ist „Erleben“. Sehen, das Gesehene „erleben“ ist sehr wichtig. Dieses „Erlebnis“ und dieses „Wissen“ beim Malen so wiedergeben, dass der Betrachter des Bildes nachvollziehen kann, was den Künstler bewegte.
AHC:
Was würden Sie einer angehenden, jungen Künstlerin raten?

Magdolna Keel:
Das ist eine schwierige Frage. Ratschläge zu geben, ist mit grosser Verantwortlichkeit verbunden. Sicher nicht leichtfertig gesagt: zuerst sollte man zu sich selber ehrlich sein, sich gut beobachten, sich gut kennen. Dann die Leistungen alter Meister studieren und respektieren lernen, denn auf die früheren Grundlagen bauen wir in unserer Zeit weiter und versuchen etwas Neues dazuzufügen.
AHC:
Wie sehen Ihre künstlerischen Pläne aus? Wohin geht die Reise?

Magdolna Keel:
Ich finde es wunderbar, dass man in der Kunst nie ausgelernt hat. Jeden Tag dazulernen, das gehört sicher zu meinen Plänen.
AHC:
Vielen Dank, Frau Keel, für das Gespräch. Alles Gute für Ihre zukünftigen Projekte und Ausstellungen.


Magdolna Keel:

Frau Dr. Aust-Wegemund, meinerseits Besten Dank für diese interessante Begegnung.


Hinweis:
Der Name der Künstlerin Magdolna Keel ist aufgeführt im Künstlerverzeichnis der Schweiz 1980-1990, Herausgeber: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich und Lausanne, Verlag Huber, Frauenfeld, 1991.
/